ForschungsKita: Katja Czech

Podcast 19. Apr. 2021

Kinder und Studierende, die gemeinsam forschen? Genau so läuft es an der Hochschule Merseburg bei den CampusKids ab. Angelehnt an das Bildungsprogramm „Bildung: elementar – Bildung von Anfang an“, sorgt die ForschungsKita für einen theoretischen und praktischen Transfer zwischen den Studierenden und den Kindern. In unserer 8. Folge verrät uns Projektleiterin Katja Czech, worin sich die Kita von anderen unterscheidet, wie die Zusammenarbeit funktioniert und was die CampusKids dort lernen.

#8 ForschungsKita: Katja Czech

Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts SCIENCE TALK. Wir sind Rieke und Kathi und zusammen moderieren wir die SCIENCE TALKS. In dieser Folge geht es um das Oberthema Transfer und zu Gast ist heute Katja Czech, magst du dich kurz vorstellen?

Katja Czech: „Hallo, ich bin Katja, ich bin in Merseburg im TransInno_LSA-Projekt im Teilprojekt ForschungsKita und bin da seit Oktober mit dabei und kümmere mich eben um die Kita in aller erster Linie und gestalte da die Transferprozesse.“

Du hast es gerade schon erwähnt, es geht um die ForschungsKita, was ist das denn? Worum handelt es sich bei der ForschunsKita?

Katja Czech: „Es gibt an der Hochschule Merseburg eine kleine Kita, die direkt an die Hochschule angegliedert war und seit März beim Studentenwerk Halle angegliedert ist, als offizielle Regelkita. Die heißen CampusKids und ich bin sozusagen die Schnittstelle zwischen der Hochschule und dieser Kita und gestalte da einerseits die Kooperationen und andererseits gehe ich auch selbst mit meinem Wissen hinein und begleite die Kita, das Team und auch die Kinder.“

Was ist denn die ForschungsKita überhaupt und für wen ist sie vor allem gedacht?

Katja Czech: „Das Konzept ForschungsKita ist einerseits das Konzept nach dem diese CampusKids auch arbeiten und es ist andererseits ein Transferprojekt in dem es darum geht, die Idee des Forschens in der Kita auszubauen. Das Team der CampusKids besteht aus Erzieherinnen und einem Koch, die auch teilweise andere pädagogische Abschlüsse haben. Viele haben in Merseburg auch direkt in der Fachhochschule studiert. Es ist ein multiprofessionelles Team und die verstehen sich auch als Forschende und die Kinder auch. Es geht nicht nur darum die Kinder zu betreuen und die Bildungsprozesse zu unterstützen, sondern tatsächlich auch wie Forschende zu schauen. Was passiert da miteinander, was passiert im Alltag, was gibt es zu entdecken und das innerhalb eines Forschungsprozesses zu überprüfen und dann auch quasi die pädagogische Qualität weiterzuentwickeln.“

Wenn ich mir das so vorstelle, in einer normalen Kita wird gegessen oder es wird gespielt und wie wird das anders in den Blick genommen? Wie kann ich mir das vorstellen? Läuft das anders ab?

Katja Czech: „Ja, es läuft natürlich erstmal so ab, dass die Kinder essen und satt werden und natürlich Spaß dabei haben sollen. Aber es läuft eben auch so ab, dass die Pädagogen darauf schauen, was passiert eigentlich noch? Was lernen die Kinder zum Beispiel noch, wenn sie essen? Gibt es da noch andere Aspekte als die Nahrungsaufnahme. Und die Kinder selbst dürfen eben selbst auch erforschen. Also es ist nicht nur dafür da satt zu werden, sondern sie sind dabei, wenn das Essen zubereitet wird. Sie sind dabei, wenn der Tisch gedeckt wird. Sie nehmen sich selbst ihr Essen und sie können sich auch ausprobieren und das Essen wird auch schon zum Teil von ihnen selbst im Garten angebaut.“

Welche Kinder sind denn in dieser Kita? Muss man dafür ein Forschungskind sein oder muss man nur neugierig sein oder gibt es irgendwelche Kriterien oder kann jeder da hinkommen?

Katja Czech: „Also tatsächlich sind das in erster Linie die Kinder von Studierenden und Mitarbeitenden der Hochschule. Das hat natürlich auch damit zu tun, dass das Studentenwerk der Träger ist und das eben auch zuerst im Blick hat. Es sind aber auch Kinder aus Merseburg da, die jetzt keinen Bezug zur Hochschule haben. Das sind ganz normale Kinder im Alter zwischen null und sechs Jahren.“

Wie viele Kinder gibt es denn bei den CampusKids?

Katja Czech: „Es sind gerade bis zu 20 Plätze verfügbar. Es gibt gerade den Plan ein neues Gebäude, also ein Gebäude des Studentenwerkes, an ein Wohnheim angegliedert, auszubauen. Dann würde sich die Kapazität auch ein bisschen vergrößern und dann könnten 40 Kinder betreut werden. Im Moment ist die Kita in einem Seminargebäude untergebracht, das heißt direkt nebendran ist ein Hörsaal und die Studierenden sind auch im direkten Sichtkontakt zu den Kindern. Man sieht sich und hört sich sozusagen, weil man nebeneinander den Tag verbringt. Die CampusKids werden dann umziehen, aber sie sind trotzdem noch auf dem Campus.“

Das Konzept schließt ja nicht nur Kinder ein, inwiefern werden auch Studierende und Erwachsene miteinbezogen? Und wie genau läuft da die Konzeption ab?

Katja Czech: „Studierende werden zum Beispiel miteinbezogen über ein Seminar, das ich mache. Das ein Theorie- und Praxisseminar, in dem sich die Studierenden mit Beobachtungs- und Dokumentationsverfahren beschäftigen und die dann direkt in der Kita erproben können und mit den Kindern arbeiten.“

Welche Fachbereiche sind denn da involviert?

Katja Czech: „Vor allen Dingen Kultur- und Medienpädagogik und Soziale Arbeit, die zwei Studiengänge begleite ich hauptsächlich.

Es geht aber nicht nur um die Kita an sich auf dem Campus, sondern auch um Transferprozesse in Kitas in der Region, um das Ganze ein bisschen präsenter zu machen und nach außen zu tragen. Wie läuft denn so ein Prozess ab?

Katja Czech: „Also im Moment bin ich in einer Kita in Beuna, das ist ein kleiner Ort vor Merseburg. Ich bin im Moment in Hospitation dort und schaue, wie arbeiten die dort und wie kann ich die unterstützen. Also wo kann ich das Wissen, das ich durch die CampusKids generiere, dort auch in den Reflexionsprozessen neu gewinne oder reflektiert habe mit den Kolleginnen auf dem Campus, wie kann ich das auch in die Kita tragen. Wir schauen gerade gemeinsam, wo Bedarf besteht. Also ich komme da nicht hin und sage, dass ist das Konzept der ForschungsKita und macht das doch auch so, sondern wir schauen gemeinsam an welchen Punkten gibt es Anknüpfungsmöglichkeiten und Anknüpfungsbedarf.“

Und gibt es da ein konkretes Beispiel, einen Anknüpfungspunkt, wo ihr sagt, das haben wir jetzt gelernt, das macht wirklich Sinn, dass man das woanders auch umsetzt?

Katja Czech: „Es gibt viele Anknüpfungspunkte, besonders spannend ist das Kochen eben. Wir haben tatsächlich in der Kita CampusKids einen Koch, der selber einkauft und das Essen zum Teil mit den Kindern zubereitet. Also die Kinder können immer zuschauen und die riechen das durch eine Durchreichewand, die zwischen dem Gruppenraum und der Küche ist. Und wie gesagt, das Gemüse wird zum Teil im Hof mit dem Koch gepflegt und geerntet.“

Direkt erlebbar gemacht?

Katja Czech: „Genau, vom Samen bis zum fertigen Gemüse sozusagen.“

Du bist jetzt schon ein bisschen auf den Theorie- und Praxistransfer der Hochschule eingegangen, vielleicht kannst du mal sagen, was du persönlich am spannendsten an deiner Arbeit findest und was du konkret auch in diesem Transfer machst?

Katja Czech: „Ich bin jetzt gerade im Kontakt mit den Werkstätten und auch mit den Leuten im Fachbereich, um Austauschprojekte anzustoßen. Also wo tatsächlich Studierende Projektideen in die Kita reintragen können und mit den Kindern umsetzen können. Leider hat Corona uns da so ein bisschen ausgebremst, sonst wäre der Prozess auch schon weiter fortgeschritten. Aber wir haben schon ganz spannende Projektideen geplant, gerade im Medienbereich. Es gibt auch eine Kollegin bei den CampusKids, die selber Kultur- und Medienpädagogik studiert hat und mit der habe ich gemeinsam ganz viele Konzepte entwickelt, von denen wir dachten, die könnten die Studierenden interessieren und auch den Kindern Spaß machen. Das sind so Anschubideen, die Studierenden können dann schauen, ob sie das auch spannend finden, was würden sie persönlich noch ändern, damit es zu ihrem eigenen Projekt wird oder haben sie ganz eigene Ideen. Und mit denen gehen sie dann tatsächlich auch in die Kita rein, hoffentlich bald, und können sie da dann auch umsetzen.“

Medienpädagogik ist einer der Studiengänge, der involviert ist, sind dann in der Kita besonders viele Medien, die da benutzt werden oder wird auf verschiedenen Arten von Medien gelernt oder geforscht?

Katja Czech: „Ja, tatsächlich ist vieles verfügbar, weil sich die Hochschule sich da öffnet und Sachen anbietet zur Mitnutzung, also Mikrofone oder Equipment für Stop-Motion-Filme, Tablets usw., also was die Kinder tatsächlich mitnutzen könne im Alltag. Die Kita hat sich auch einiges angeschafft und wir hatten gerade vor einige Wochen, als eigentlich vor der Sommerpause, einen Workshop zum Thema Medienpädagogik, in dem sich das Team nochmal mit ganz neuen technischen Geräten auseinandergesetzt hat. Also geschaut hat, was gibt es eigentlich auf dem Markt und was kann man noch nutzbar machen und in welcher Form. Das ist eben auch ein typischer Forschungsaspekt, dass man sich regelmäßig trifft, einem Thema zuwendet und das selber erforscht und dann wird das direkt mit den Kindern ausprobiert. Es wird dazu dann noch eine Veröffentlichung geben und hoffentlich auch ein kleines Video, in dem man sieht, wie dieser Prozess gelaufen ist.“

Wo könnte man das Video sehen?

Katja Czech: „Über die Hochschule auf jeden Fall, über das TransInno-Projekt und über das Studentenwerk, die haben da auch eine Videoplattform und da wäre es auf jeden Fall auch zugänglich.“

Jetzt hast du einmal kurz Corona angesprochen, eigentlich wollen wir da ja gar nicht mehr so viel darüber reden, aber irgendwie muss man. Jetzt habe ich mich gefragt, konntet ihr das so ein bisschen mit einbetten oder hat euch das total rausgeworfen? Gerade beim Kochen, ist das dann immer noch so möglich oder inwiefern kann man diesen Kitaalltag noch so leben?

Katja Czech: „Also jetzt wieder ganz gut, denn heute ist ja wieder der Regelbetrieb gestartet und in der Zeit dazwischen ging es auch vergleichsweise gut, weil nicht so viele Kinder bei den CampusKids sind und sich da solche Trennungsregeln gar nicht niedergeschlagen haben. So dass durch das kleine Team und die relativ wenigen Kinder, der Alltag so ganz gut weiterlaufen konnte wie vorher.“

Vielleicht als Info, heute ist der 27.08.2020, weil der Podcast natürlich nicht heute rauskommt. Ab heute ist wieder der Regelbetrieb in den Kitas. Ihr habt so ein Bildungsprogramm, das heißt „Bildung: elementar - Bildung von Anfang an“. Kannst du uns erklären, was das genau bedeutet?

Katja Czech: „Tatsächlich kann ich das, denn ich bin auch Co-Autorin gewesen, also ich war in dieser Autorengruppe mit drinnen. Also es ist halt für das Bildungsprogramm für Sachsen-Anhalt. Jedes Bundesland hat ein Bildungsprogramm für ihre Kitas, um frühkindliche Bildung ein bisschen anzustoßen, weil man erkannt hat, dass Kitas schon Bildungseinrichtungen sind und Bildung nicht erst in der Schule beginnt. Das ist sozusagen so eine Art Rahmen, die den Kitas ein bisschen Halt und Orientierung darin gibt, wie Bildungsprozesse in der Kita laufen können, was wichtige Aspekte von frühkindlicher Bildung sind und wie die gestaltet werden können. Es ist tatsächlich nur ein Gerüst, was dann jede Kita selber füllt, gemeinsam mit dem Träger werden dann kitaspezifische Konzepte erarbeitet. Die Kita kann sich dann auch so ein Profil geben, aber das Bildungsprogramm gibt einen Rahmen vor.“

Das Projekt läuft wie alle Teilprojekte bis 2022, was steht bis dahin noch so an?

Katja Czech: „Wir wollen auf jeden Fall die Kooperationen mit den Studierenden der einzelnen Fachbereiche ausbauen. Wir sind auch gerade dabei die CampusKids zu einem Praktikumspartner für die Hochschule zu machen, so dass die Studierenden, die ins Langzeitpraktikum zu Bildungseinrichtungen gehen, auch zu den CampusKids gehen können. Denn bevor die CampusKids zur Regelkita geworden sind, waren studentische Hilfskräfte ganz normal im Alltag mit dabei als Betreuungsperson. Das geht jetzt leider nicht mehr so und das versuchen wir jetzt über die Praktikumsstellen zu ermöglichen. Wir wollen natürlich diese Projekte ausbauen, die Zusammenarbeit mit den Studierenden, die mit Projekten reingehen können. Dann sind wir auch dabei die Räume für die neue Kita zu gestalten, also zu schauen, wie kann man denn die Räume, wenn sie schon neu gestaltbar sind, so ausgestalten, dass sich das Konzept der ForschungsKita, da besonders gut umsetzen lässt.“

Also denkt ihr jetzt von Grund auf mit?

Katja Czech: „Genau, wir sind von Grund auf mitinvolviert. Nächste Woche gibt es ein Treffen mit der Architektin und die Basis ist direkt mit dabei. Das komplette Team kann mitgestalten und mitdenken.

Gibt es noch etwas, was du den Zuhörenden unbedingt noch sagen möchtest, was sie unbedingt von der ForschungsKita wissen müssen?

Katja Czech: „Es ist eine tolle Kita und es ist ganz spannend wie die Kinder sich entwickeln und was die Kinder so für Entdeckungen machen. Wir sind immer offen für Gäste, das ist auch ein Spezifikum dieser Kita, dass die Kinder es gewöhnt sind, dass ständig Leute kommen und gehen und zuschauen. Insofern kann ich nur sagen, vorbeikommen und sich inspirieren lassen.“

Schön, dass du da warst und danke für diesen Einblick

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